BETRETEN VERBOTEN!?

Bei unserer gelungenen, dreitägigen Skidurchquerung der Tuxer Alpen von Innerst nach Navis (15.-17.1.) stellte sich ab und zu die Frage. So viel vorab: Trotz Stufe drei an allen Tagen hatten wir die knapp 50 Kilometer – meiner Meinung nach – lawinensicher im Griff.

Tag 1: Powder zum Einstieg
Nachdem die ersten Kilometer eher ernüchternd verliefen – auf der die Rodelstraße von Innerst zur Weidener Hütte kommen auf der unteren Hälfte oft die Steine raus und auf den Almhängen unter der Firderissalm sah man fast mehr Gras als Schnee – gab´s ab dem Arvenwald eine tolle Überraschung: Feste Unterlage mit ca. 15 cm Powderauflage. Oberhalb der Waldgrenze gab es nur ganz vereinzelt Setzungsgeräusche, die auf eine heikle Lawinensituation hingewiesen hätten. Die letzten 100 Hm vor dem Hohen Kopf (2375 m) waren abgeweht, was den Vorteil hatte, dass wir bei der Abfahrt genau in diesen felsigen Bereichen Steine potentielle gut einschätzen konnten. Es lag aber ausreichend Schnee. Die weitere Abfahrt war dann wirklich großartig und ein wunderbarer Abend auf der Weidener Hütte rundete den ersten Tag ab. Vielen Dank an Maria, Michael und ihr super sympathisches Hüttenteam für das leckere Essen!

Tag 2: Betreten verboten!?
Beim Aufstieg zum Geisljoch wählten wir sicherheitshalber den Weg über die Almstraße auf westseitigen Hänge des Tales, da uns der (vom Routenverlauf her elegantere) Anstieg über die Osthänge des Hobarjoch zu heikel vorkam. Im oberen Teil sieht man dort auch zwei große Schneebretter, aber auch etwa vier Abfahrtsspuren.
Auf der Querung unterhalb des Hoberjochs nach Westen (den Gipfel haben wir ausgelassen, da uns ein ausreichender Zeitpuffer wichtig war) gab es in so gut wie jeder Mulde starke Setzungsgeräusche. An Rücken und nicht konkav gewölbten Hängen hörte ich hingegen keine. Die südseitigen Hänge hinab zur Vallruckalm waren von der Schneelage fahrbar, haben aber wie die gesamte Region unterdurchschnittlich viel Schnee. Sie sind recht flach und wiesen keinerlei Lawinengefahr auf. Im Gegensatz zum anschließenden Anstieg zur Torspitze. Auf der Pause überlegten wir uns sehr gut, ob da hineinsollten. Wir hatten das Glück, dass bereits vier Abfahrtsspuren in den nicht ganz flachen Nordost- und Osthängen zu sehen waren. Wir stiegen also genau entlang dieser Spuren mit weiten Abständen auf. Der Gipfelanstieg zur Torspitze (2663 m) verlief wie am Vortag auf, vom Wind geprägten Harsch. Die ersten 200 Hm Abfahrtshöhenmeter direkt zur Hütte waren auch eher hart, aber griffig. Unterhalb von ca. 2400 m gab es dann wieder schönen Powder. Allerdings muss man aufgrund des felsigeren Geländes sehr gut auf »sharks« achten, die von lockere Schnee überdeckt sind. Wir waren die ersten, die diesen Hüttenübergang nach den Neuschneefällen gemacht haben. Der nette Hüttwirt Tobias wies uns noch darauf hin, dass wir uns ab der Vallruckalm bis zum Gipfel in einem Bereich des Militärgebietes Lager befanden, den man eigentlich nicht betreten darf. Offiziell erlaubt ist der Übergang über das Krovenzjoch.

Tag 3: Beim »Dreier« kein Geier!
Da die Lawinenlage sich über Nacht natürlich nicht verändert hatte, wählten wir (auch auf Anraten von Tobias) für den Übergang nach Navis nicht den direkten Weg über den Geier (in seinem nordostseitigen, steilen Talschluss gab es schon mehrfach Lawinenunglücke), sondern den sicheren Umweg über das Klammjoch. Natürlich wollten wir die Tour mit einem Gipfel abschließen und spurten durch landschaftlich herrliches Gelände in Richtung Naviser Kreuzjöchl. Auch hierbei waren die Setzungsgeräusche beim Queren von Mulden nicht zu überhören. Entsprechend gespannt waren wir dann auf den nordseitigen Gipfelanstieg. Bei richtiger Spuranlage ist hier m.E. nur der Schlusshang (die letzten 150 Hm) problematisch. Aber auch am letzten Tag hatten wir das Glück, dass erst eine Fünfer- und dann eine Siebenergruppe in den Hang einfuhr und potentielle Spannung (wohlgemerkt nur innerhalb ihrer Spuren) herausgenommen hat. Es ging also sicher auf den Gipfel (3536 m) und in nun schon etwas gesetzterem Tiefschnee zum Klammbach hinab. An den weiten Nordhängen unterhalb des Kreuzjöchls sind am Samstag bestimmt mehr als 50 Leute runtergefahren und es gab kein Schneebrett. Die weitere Abfahrt auf der Almstraße ist meist gut schneebedeckt. Es gibt eine südseitige Wiesenhangpassage, an der man besser trägt. Zwei Passagen sind ziemlich vereist.

Fazit: Was für eine tolle Durchquerung! Auch weil wir die meiste Zeit alleine waren und viel spuren durften. Was heutzutage ja eher selten geworden ist.

Hinweise zu Anreise: Von Bhf. Jenbach gelangt man mit den Bussen 8330 und 8381 (also mit einmal Umsteigen ) zur Haltestelle »Weerberg Bergdorf«. Von hier sind aber noch 45 min auf der Straße zum Hüttenparkplatz Innerst zurückzulegen. Sich ein Taxi zu teilen ist daher keine schlechte Idee.
Von Navis besteht eine gute Busverbindung (Linie 580) nach Matrei, von wo es mit der S3 nach Innsbruck Hbf. geht.

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