Bergbericht – So wird´s am Wochenende

Während man in den meisten Mittelgebirgen und auf südseitigen Voralpenhängen bereits in die Wandersaison starten kann, herrschen gleichzeitig recht gute Bedingungen für Firn-Skitouren. Allerdings sind Schwachschichten in der Altschneedecke vor allem am Alpenhauptkamm weiter problematisch.

Tourenverhältnisse

In den niedrigeren Deutschen Mittelgebirgen wie Eifel, Taunus, Rothaargebirge oder auch Fichtelgebirge kann man bereits schneefrei wandern. Die Hochlagen des Schwarzwaldes und des Bayerischen Waldes sind oberhalb von etwa 1000 m hingegen weiter von zusammenhängende Altschneeflächen bedeckt.

Die Schneelage zum Skitourengehen ist am Bayerischen Alpenrand eher gering. Skitouren sind nur von hochgelegenen Ausgangspunkten wie beispielsweise dem Spitzingsee möglich. Dort ist z.B. die »Tanzeck Reibn« gut machbar, während die »Rotwandreibn« schon größere Tragepassagen aufweist. Auch in den höheren Lagen der Allgäuer Alpen liegt noch ausreichend Schnee.

Dafür herrschen bei richtigen Timing in den Nördlichen Kalkalpen, wie z.B. am Kreuzjoch (Rätikon), oder an Bleispitze und Steinkarspitze (Lechtaler Alpen) mittlerweile gute Firnbedingungen. Auch dort sollte man hochgelegene Ausgangspunkte und Touren ansteuern, die zunächst nicht gerade südseitig verlaufen. Zudem ist zu berücksichtigen, dass in einigen Tälern (wie am z.B. am Zustieg zur Namloser Wetterspitze) derzeit riesige Mengen an Nassschneelawinen liegen.

Am Alpenhauptkamm ist das Felsblockgelände jetzt endlich einigermaßen gut zu geschneit. Nach Einschätzung des Sellrain Experten Lukas Ruetz ist die dortige Schneelage durch ca. ein Meter Neuschnee jetzt etwa durchschnittlich für die Jahreszeit. Durch das Altschneeproblem sind aber »Teile von Skitouren in WNO Exposition oberhalb der Waldgrenze weiterhin nicht empfehlenswert. Dazu zählen z.B. Zischgeles, Lüsener Ferner. Dafür kann man südseitig auch im Sellrain guten Firn erwischen.«

Dank der besser eingeschneiten Gletscher kann man jetzt auch Skihochtouren unternehmen. So waren letztes Wochenende z.B. die Bedingungen am Piz Kesch (Albula Alpen) ziemlich ideal. Allerdings herrscht in der Region noch Lawinengefahrenstufe »3-« … was zum nächsten Thema überleitet.

Lawinenlage

Während im Deutschen Alpenraum und in Vorarlberg für Donnerstag eine mäßige Gefahr (Stufe 2) ausgegeben wurde, herrscht in der Schweiz südlich des Rheins (Adula Alpen und Engadin) oberhalb von 2200 m eine erhebliche Gefahr (Stufe 3-). In Österreich ist die Lawinengefahr südlich des Inns (Ötztaler, Stubaier, Zillertaler, Tuxer, Kitzbüheler Alpen und Hohe Tauern) oberhalb von 2000 m erheblich (Stufe 3). Auch am Südtiroler Alpenhauptkamm gilt eine erhebliche Lawinengefahr, während in den Dolomiten die Gefahr mäßig ist.

In den Gebieten mit Stufe 3 sind im unteren Teil der Schneedecke weiter Schwachschichten vorhanden. Vorsicht ist an eher schneearmen Stellen, sowie an Übergängen von wenig zu viel Schnee geboten. Lawinen können in bodennahen Schichten anreißen und groß werden. Wumm-Geräusche können auf die Gefahr hinweisen. Die Gefahrenstellen sind schwer zu erkennen.
Mit der tageszeitlichen Erwärmung und der Sonneneinstrahlung sind unterhalb von rund 2400 m zudem vereinzelt kleine nasse Lawinen möglich. Viele Einzugsgebiete sind aber entladen

Das Altschneeproblem wird auch in den kommenden Tagen nur ganz langsam zurückgehen. Ansonsten ist am Wochenende die Gefahr von nassen Lawinen mit der tageszeitlichen Erwärmung zu beachten. Vor allem ost- und südseitige Touren sollten rechtzeitig beendet werden.

Wochenendwetter

Mittelgebirge: In der Eifel und im Rothaargebirge verlaufen Freitag und Samstag sonnig. Am Sonntag können lockere Wolken aufziehen. Die Maximaltemperaturen liegen am Kahlen Asten (841 m) bei 14°C.
Im Harz und im Thüringer Wald wird das Wochenendwetter ähnlich. Am Brocken (1142 m) pendeln die Höchstwerte um 12°C.
Im Elbsandsteingebirge ist der Wetterablauf fast der Gleiche. Auf dem Großen Zschirnstein (560 m) liegen die Höchstwerte bei 11°C.
Im Bayerischen Wald scheint freitags und samstags die Sonne. Der Sonntag wird dann leicht bewölkt. Die Höchsttemperaturen erreichen am Großen Arber (1456 m) 8°C.
Im Schwarzwald ist das Wochenendwetter vergleichbar. Am Feldberg (1493 m) liegen die Höchstwerte zwischen 10°C am Samstag und 7°C am Sonntag.
Alpen:  Anhaltender Hochdruckeinfluss sorgt in den Ostalpen freitags für sehr gutes Bergwetter. Nach einer klaren Nacht mit guter Abstrahlung und Verfestigung der Schneeoberfläche wird es in der Früh rasch sonnig. Tagsüber in vielen Regionen abermals wolkenlose und windschwache Bedingungen. Im Westen bis etwa zu den Hohen Tauern nimmt die Schleierbewölkung mit Saharastaub aber markant zu. Die Nullgradgrenze liegt bei schwachem Wind  zwischen 2100 bis 2900 m.
Auch der Samstag bringt sonniges und mildes Hochdruckwetter ein. Der Himmel präsentiert sich mit weniger Saharastaub und Schleierwolken als am Vortag. An Windstärke und Temperatur ändert sich wenig.
Nach klarer Nacht gibt es auch sonntags Sonnenschein, wobei tagsüber aber Quellwolken entstehen dürften. An der Alpennordseite könnten ausgeprägtere Wolkenfelder in der Höhe durchziehen. Die Temperaturen gehen bei mäßigem Südostwind etwas zurück.
Das Wetter ist in den Westalpen ähnlich, mit dem Unterschied, dass Saharastaub und Schleierwolken dort freitags ein größeres Thema sind.

Fazit

Sowohl in den Deutschen Mittelgebirgen als auch in den Alpen kann man sich in Sachen Wochenendwetter nicht beschweren. Der sonnigste Tag wird in den meisten Regionen der Samstag.
Während man in den niedrigeren Mittelgebirgen schneefrei wandern kann, sind für die Hochlagen vom Schwarzwald und Bayerischen Wald winterfeste Stiefel und Teleskopstöcke angesagt. An sonnigen Felsen kann man zudem in die Klettersaison starten.
Im Alpenvorland und an südseitigen Voralpentouren wird man bis etwa 1500 m ebenfalls schneefrei unterwegs sein.

Für Skitourengeher*innen herrschen in den Nördlichen Kalkalpen derzeit recht gute Firnverhältnisse. Um idealen Schnee zu erwischen und auch wegen des tageszeitlichen Anstieg der Lawinengefahr  muss man aber früh unterwegs sein.
Das gilt auch für den Alpenhauptkamm, wo mittlerweile Skihochtouren möglich sind. Aber Vorsicht: Am gesamten Alpenhauptkamm ist das Altschneeproblem weiterhin ein heikles Thema. Man braucht also sehr gute Erfahrung was die Routenplanung und -durchführung angeht und muss sich genau bei den Hüttenwirt*innen erkundigen, welche die Situation vor Ort meist an besten einschätzen können.

An dieser Stelle noch zwei – in Bezug auf uns Skitourengeher*innen erfreuliche – Statements zur zurückliegenden  Lawinenperiode (in der zweiten Februarhälfte),  bei der in Tirol 10 Personen starben.
Elmar Rizzoli (Leiter des Zentrums für Krisen- und Katastrophenmanagement des Landes Tirols) sagte: »Wir haben gemerkt, dass nicht die Skitourengeher betroffen waren, die wir sehr gut mit dem Lawinenlagebericht erreichen, sondern nur Variantenfahrer neben den Pisten in den Skigebieten.« Und der Lawinenwarndienst Tirol meinte im Nachgang sogar, »dass sich Tourengeher*innen vorbildlich an unsere Warnungen gehalten hatten.« 

Auch für die kommenden Tage hab euch 15 Tourenvorschläge für euch zusammengestellt.

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