Skitouren bei Stufe vier ?

Endlich Tiefschnee satt! Dem verlängerten Tourenwochenende im Schmirntal steht eigentlich nichts mehr entgegen … außer die angespannte Lawinengefahr. Wie überall herrscht auch in den westlichen Zillertaler Alpen mit Warnstufe vier die zweithöchste Lawinengefahr. Sind bei solchen Verhältnissen Skitouren abseits gesicherter Pisten überhaupt verantwortbar?

Meine Antwort lautet »JA«. Wenn man wirklich erfahren ist und ein absolut defensives Risikomanagement umsetzt.

TAG 1: Natürlich muss man ganz genau wissen, welche Touren bei Stufe 4 überhaupt in Frage kommen. Unsere Wahl fällt auf das beliebte Satteljoch. Ein Blick auf Skitourenguru bestätigt unsere Wahl. Für das Satteljoch wird ein Wert von 1.05 ausgegeben , während der Algorithmus z.B. für den Eggersberg (eine weitere der wenigen Touren in der größeren Umgebung, die zwar nicht auf »grün«, aber wenigstens nicht auf »rot« stehen) 1,35 ausspuckt. Dennoch sind wir sehr vorsichtig. Im herrlich verschneiten Waldaufstieg grabe ich ein Schneeprofil, welches meine Vermutung bestätigt. Auch hier befindet sich in der Altschneedecke ein ungünstiges Fundament aus aufbauend umgewandelten Schneekristallen. Als wir dann im freien Gelände knapp 100 Hm unter dem Gipfel wegen Nebel absolut nichts mehr sehen, drehen wir sicherheitshalber um. Schließlich hatte der Warndienst Tirol am Morgen auf Instagram darauf hingewiesen, dass selbst am Sattelberg Lawinen abgehen können … wie zuletzt 2010.

TAG 2: Heute fällt die Wahl auf den »Leiten«. Das ist keine echter Gipfel sondern eine Kuppe im Kamm westlich der Ultenspitze über dem Schmirntal. Diese Tour steht komplett auf »grün«, während Skitourenguru für das letzte Stück zum eigentlichen Gipfel (der Ultenspitze) sogar »rot« angibt. Ich teile diese Einschätzung. Schließlich kenne ich den teils mehr als 35° steilen Hang gut.
Als wir nach einem absolut lawinensicheren Aufstieg vom Leiten hinüber zur Ultenspitze schauen, sehen wir wie drei Skifahrer*innen dort gerade abfahren und vier weitere aufsteigen. Nach einer schönen Tiefschneeabfahrt von 200 Hm sind wir uns einig: Nochmal die Felle raus dem Rucksack … und doch noch zum eigentlichen Ziel. Da der Gipfelhang nicht breit ist, können wir davon ausgehen, dass der Hang gut zerfahren ist, bis wir dort hinkommen. Und so bewahrheitet es sich dann auch.

TAG3: Am Vortag hat es weitere 20 cm geschneit. Nur mit Schneeketten kommen wir zum Gasthaus Steckholzer hinauf. Dort wartet die dritte, meiner Meinung nach verantwortbare Tour auf uns. Und zwar nicht der Klassiker – die Vennspitze – sondern der kleine Nachbar Padauner Berg. Während die großen Gipfelhänge der Vennspitze heute bestimmt nicht in Frage kommen, kann man den Padauner Berg über zunächst schönen Bergwald und danach über einen breiten Rücken erreichen. Allerdings gibt Skitourenguru das letzte Stück mit »orange« an. Wie sich oberhalb der Waldgrenze zeigt, hat der Algorithmus nicht einberechnet, dass der Schnee am Rücken eher abgeblasen ist. Aber so ein tool kann freilich nie alle relevanten Aspekte berücksichtigen. Wir steigen also gefahrlos zum höchsten Punkt.

Was zum schönen Fazit führt: Die Kombination aus perfekter Tourenplanung, langjähriger Erfahrung, Zuhilfenahme von Lawinenbulletin und Skitourenguru und schließlich mit der permanenten, kritischen Reflektion im Gelände macht es möglich, bei Stufe 4 sicher unterwegs zu sein.

38 - 4

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