Dem Gewitter aus dem Weg gehen … Yoga & Bergwandern auf der Ravensburger Hütte

Bereits vormittags gewittrige Schauer, an den Nachmittagen starke Gewitter und das alles bei starkem Wind. Die Prognosen für unser viertägiges Retreat im Lechquellengebirge waren gelinde gesagt etwas durchwachsen und für mich somit fordernd. Denn als Bergwanderführer möchte ich meine Kund:innen sicher durchs Gebirge leiten und sie gleichzeitig so viele (Gipfel)touren wie möglich erleben lassen. Dank etwas Wetterglück und wohl überlegtem Timing gelang das vom 16. bis 19. Juli 2026.

Hier erfahrt ihr, wie ich meine Tourenplanung bei instabilem Wetter angehe:

Tag 1: Beim Start um 12 h hatten wir bezüglich Hüttenzustieg keine andere Möglichkeit als einfach loszulaufen. Schließlich wollten wir nachmittags vor dem Abendessen noch Yoga machen. Wohl aber kann man einen Anstieg wie über das Stierlochjoch wählen, der auch bei Gewittergefahr zu verantworten ist. Dass es überraschend aufriss und bis zum Abend die Sonne schien war uns allen natürlich mehr als recht.

Tag 2: Der morgendliche Wettercheck war eindeutig. Neben den vier verschiedenen Wetter-Apps (Windy, Wetteronline, Meteoblue, Kachelmann Wetter) die ich benutze, waren auch die geschriebenen morgendlichen Prognosen von Geosphere Austria und Meteoschweiz eindeutig. Wenn dann gab es freitags bis 13 h gute Chancen auf eine Gipfeltour ohne Blitz und Donner. Vormittags also kein Yoga, sondern möglichst früh los. So lautete der Plan … der voll in Erfüllung ging. Die Wolken blieben hellgrau und auf dem Blitzradar von Wetteronline war kein heranziehender Cluster zu sehen. Dank des starken, kühlen Windes gab es zur Belohnung auf der Oberen Wildgrubenspitze (2625 m) klare Fernsicht vom Allerfeinsten. Das Gewitter zog dann erstaunlicherweise wieder erst gegen Abend auf.

Tag 3: Für Samstag waren (sowohl von den Apps, als auch von den Textprognosen der amtlichen Wetterdienste) für den ganzen Tag gewittrige Schauer angesagt … mit etwas besserem Wetter am frühen Nachmittag. Yoga, Frühstück und dann gemütlich losgehen war für mich die sinnvollste Strategie. Zur Sicherheit wählte ich keinen Gipfel, sondern die landschaftlich äußerst reizvolle Tour über de Alpsee durch die Wildgrube zum gleichnamigen Joch aus. Und wieder ging der Plan voll und ganz auf. Erst kurz vor der Hütte gab es ein paar kleine Schauer.

Tag 4: Für den Sonntag war das schlechteste Wetter angesagt und so gut wie alle anderen Gäste verließen die Hütte bei strömenden Regen. Auch wir waren um 10 h für den nicht ganz kurzen Abstieg über den Spullerbach nach Zug startklar. Ein Blick auf den Wetteronline-Regenradar zeigte mir aber, dass es Sinn machen dürfte zu warten. Also zogen wir uns wieder aus und spielten noch eine Stunde Memory in der trockenen Stube, während es draußen so richtig goss. Dank des starken Windes verabschiedete sich die Regenzelle pünktlich auf die Minute und wir konnten die grandiose, vierstündige Abschlusswanderung einmal mehr trocken genießen.

Hier meine Tipps in Kürze:

– Nicht nur Apps sondern auch Textprognosen benutzen.

– Bei den Apps das hochaufgelöste europäische ECMWF Modell auswählen.

– Auf der Tour gut die Wolkenentwicklung am Himmel im Blick haben.

– Wenn die Wolken dunkelgrau werden umkehren und den Blitzradar immer wieder ansehen.

– Nicht gleich losgehen, wenn es noch regnet, sondern Regenradar ansehen. Auch bei längeren Hüttenübergängen ist dafür im Sommer oft genug zeitlicher Spielraum

– Die Tourenwahl den Wetterverhältnissen anpassen. Exponierte Bereiche nur anvisieren, wenn die (zeitnahe) Gewittergefahr gering ist.

– Sich in den Tagen vor einer Tour nicht von schlechten Prognosen zu sehr verunsichern lassen. Gerade diesen Sommer waren die angekündigten Regenmengen so gut wie immer deutlich geringer als prognostiziert.

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