Danke Garmisch & Co.

homeschooling, homeoffice … und endlos lange Heimabende. Der derzeitige Lockdown macht aus Jung und Alt zum zweiten Mal eine Gesellschaft aus Stubenhockern.

Deshalb danke ich den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Bad-Tölz, Ostallgäu, Oberallgäu und Rosenheim, dass sie Familien, die dringend Bewegung brauchen (im Gegensatz zu zwei anderen Alpenrand-Landkreisen) nicht aus ihren Bergen aussperren. (By the way: Am 25. 1. lag der Inzidenzwert von Miesbach -in dem touristische Tagesausflüge verboten sind- mit 70,99 unter dem von Garmisch-Partenkirchen mit 106,32.)

Denn in einer Zeit, in der Sportvereine keine Trainingseinheiten anbieten dürfen, ist es um so wichtiger wenigstens raus in die Natur zu kommen und sich vielleicht dort so richtig zu verausgaben.

Sportwissenschaftler Matthias Marckhoff (Uniklinik Münster) hat in einer Studie festgestellt, dass die körperliche Aktivität bei Jugendlichen bereits in der Zeit der Kontaktbeschränkungen im April 2020 signifikant abgenommen hat. Die Gruppe derjenigen Kinder, die sich in dieser Zeit fast gar nicht mehr bewegt haben, hat sich auf zirka 25 Prozent verfünffacht. Parallel hat der Medienkonsum signifikant zugenommen. Etwa 45 Prozent der Jugendlichen hatten im Untersuchungszeitraum eine tägliche Bildschirmzeit von mehr als acht Stunden. Vor der Pandemie galt dies für etwa 20 Prozent der Jugendlichen. Durch den Bewegungsmangel kann es zu Veränderungen im Hormonhaushalt kommen, die sich negativ auf die Stimmungslage auswirken und zur Entstehung einer Depression beitragen können. Zudem kann ein drastischer Rückgang der körperlichen Aktivität zu einer Verringerung des Selbstwertgefühls führen.

Mirko Brandes (Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie Bremen) betont, dass Einschränkungen der körperlichen Aktivität durch Corona-Maßnahmen Kinder und Jugendliche in einer wichtigen Entwicklungsphase treffe: „Das Bewegungsverhalten verfestigt sich in der Kindheit und Jugend!“

Wie gut eine anstrengende Ski- oder Snowboardtour gerade pupertierenden Jugendlichen tut, habe ich bei meinem älteren Sohn und dessen Freunden in den letzten Wochen mehrfach erlebt.
Und auch für jüngere Kinder ist das Rauskommen eine echte Entlastung. So traf ich am vergangenen Wochenende am Grünten mehrere Väter, die ihren Kids die Ski hoch trugen, während sich der Nachwuchs tapfer mit Skistiefeln den Berg hoch arbeitetet. Die Gruppe war von einem Skiclub. Einer der Väter erzählte, dass nur 120 Kinder, die einem speziellen Kader angehören im Allgäu derzeit trainieren dürfen. Für den großen Rest sind solche Berg-Aktionen wenigstens ein Trostpflaster … auch wenn junge Skirennfahrer normalerweise nicht einmal einen Hang runter zu sausen.

Und obwohl der Grünten auch am letzten Wochenende wieder stark frequentiert wurde, war es überhaupt kein Problem, ausreichend Abstand zu anderen Schnee-Liebhabern zu halten.

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